Grüner Star / Glaukom
Im November 2002 wurde Frau Dr. Király-Bösl von der Redaktion der Freisinger SZ zum Thema "Grüner Star/Glaukom", eine der häufigsten Erblindungsursachen in der westlichen Welt, interviewt.

Inhalt

 


Was ist ein Glaukom?

"Glaukom" oder "grüner Star" ist der Sammelbegriff für eine Gruppe von Augenerkrankungen, die meist mit erhöhtem Augeninnendruck durch eine Behinderung des Kammerwasserabflusses einhergehen. Das Kammerwasser ist eine Flüssigkeit, die ständig im Auge gebildet wird und der Ernährung einiger Strukturen im Auge dient. Der Augeninnendruck resultiert aus der Balance von Kammerwasserproduktion und -abfluß. Auf Dauer kann der erhöhte Augeninnendruck den Sehnerven schädigen und unbehandelt sogar zur Erblindung führen. Das Glaukom ist in der westlichen Welt eine der häufigsten Erblindungsursachen überhaupt : Allein in Deutschland sind ca. 1 Mio. Menschen daran erkrankt - die Hälfte davon, ohne es zu wissen!

 

Wie merkt man, daß man an einem Glaukom leidet?

Fatalerweise merkt man als Betroffener lange Zeit nichts. Den zu hohen Druck kann man selbst nicht spüren. Ein Druckgefühl, das man hin und wieder im Auge spürt, hat meist andere Ursachen. Auch bereitet die Schädigung des Sehnerven keine Schmerzen. Äußerlich sind keine Veränderungen erkennbar und die meist sehr langsam eintretenden Sehverluste nimmt der Patient zunächst selbst lange Zeit nicht wahr. Bis man selbst von der Erkrankung etwas bemerkt, sind bereits große, nicht wiedergutzumachende Sehschäden eingetreten. Besonders wichtig ist daher die Früherkennung durch den Augenarzt!

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Wie äußern sich die Sehschäden bei einem Glaukom?

Das Glaukom zerstört nicht gleich den ganzen Sehnerv. Zunächst schädigt es nur jene Fasern im Sehnerv, die für die Seheindrücke aus den Außenbereichen zuständig sind. Wenn man also die Augen geradeaus richtet und den Kopf nicht bewegt, sieht der Betroffene zwar alles, was geradeaus vor ihm ist. Alles, was seitlich ist, kann er jedoch nicht mehr erkennen. Man bezeichnet diese fehlerhafte Wahrnehmung als eingeschränktes Gesichtsfeld. Ohne Behandlung werden zunehmend mehr Sehnervenfasern zerstört. Schließlich sieht man seine Umwelt nur noch wie eine Röhre, bis das Auge am Ende völlig erblindet.

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Wie hoch sollte der Augeninnendruck also sein?

Das kann man so nicht sagen; der Augeninnendruck ist eine individuell sehr unterschiedliche Größe. Der Begriff "normaler Augendruck" gibt eigentlich nur den statistisch häufigsten Druck an; dieser liegt zwischen 9 und 21 mmHg. Es gibt jedoch eine besonders tückische Variante des Glaukoms, das sogenannte Normaldruckglaukom. Hier ist der Augendruck im oben genannten "Normalbereich" und trotzdem liegen typische Glaukomschäden vor. Man weiß seit kurzem, dass ein erhöhter Augeninnendruck nicht allein verantwortlich für die Entwicklung eines Glaukoms ist. Auch eine Fehlregulation der Blutgefäße, die der Ernährung des Sehnerven dienen, spielt eine wichtige Rolle. Besonders ungünstig ist ein nächtlicher Blutdruckabfall.

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Wie kann man eine glaukombedingte Erblindung verhindern?

Eine Früherkennung ist entscheidend für den weiteren Verlauf der Erkrankung. Wenn der Patient bereits selbst Gesichtsfelddefekte bemerkt, dann besteht bereits ein fortgeschrittener, irreversibler Schaden. Da das Erkrankungsrisiko mit zunehmenden Alter ansteigt, sollte man sich ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig die Augen untersuchen lassen. Der Augenarzt wird bei einer Glaukomvorsorgeuntersuchung den Augeninnendruck messen, den Sehnerven beurteilen und gegebenenfalls eine Gesichtsfelduntersuchung vornehmen.

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Welche Therapiemöglichkeiten gibt es, wenn die Diagnose "Glaukom" gestellt wurde?

Heilen kann man das Glaukom leider nicht. Der Augeninnendruck jedoch, der den Sehnerven schädigt, kann gesenkt werden. Bereits bestehende Schädigungen können auch durch eine Behandlung nicht mehr rückgängig gemacht werden. Bei den meisten Patienten läßt sich der Augeninnendruck einfach, aber zuverlässig mit Augentropfen regulieren, die in der Regel gut vertragen werden. Manchmal müssen verschiedene Medikamente oder Medikamentenkombinationen ausprobiert werden, bis der Druck optimal eingestellt ist und keine weiteren Schädigungen von Sehnerv und Gesichtsfeld auftreten. Wichtig ist die regelmäßige Behandlung! Auch unter einer nur nachlässig durchgeführten Therapie schreitet das Glaukom weiter fort! Manchmal ist das Glaukom mit Medikamenten aber einfach nicht in den Griff zu bekommen. In diesen Fällen kann eine Operation nötig sein. Dabei wird der Abfluß des Kammerwassers durch einen künstlichen Ausgang nach außen unter die Bindehaut geleitet. Diese Stelle wird durch das Oberlid bedeckt; von außen sind also keine Veränderungen am Auge sichtbar. Die Erfolgsaussichten dieser Operation sind sehr gut.

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Muß man als Glaukompatient sein Leben umstellen?

Definitiv nein. Man muß weder eine bestimmte Diät einhalten noch die Augen besonders schonen. Fernsehen und Lesen haben keinen negativen Einfluss. Kaffee und Alkohol sind - in normalen Maßen - erlaubt. Als einziges Genußmittel sollte das Rauchen tabu sein. Rauchen schädigt ja die Gefäße im ganzen Körper, also auch am Auge. Kommt zum erhöhten Augeninnendruck beim Glaukomkranken zusätzlich eine schlechte Durchblutung dazu, so wirkt sich das doppelt schädigend auf die Sehnerven aus. Körperliche Bewegung und Sport sind empfehlenswert, weil sie den Kreislauf und damit die Durchblutung das Auges anregen. Gemieden werden sollten lediglich Extremsportarten, die explosionsartig zum Druckanstieg führen z. B. Gewichtheben, Tauchen oder Bungee-Springen.